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Schwangerschaft und Mütter

Kaffee & Regelschmerzen: Was die Forschung zeigt

Patrice Yoann Heisinger

Kaffee am Morgen, Schmerzen in der Mitte des Monats. Eine Studie aus Peking zeigt, wie Getränkekonsum und Dysmenorrhoe zusammenhängen.

Ich habe viele Athletinnen betreut, die über starke Regelschmerzen klagten und nicht wussten, wo sie anfangen sollten. Die meisten haben zuerst über Training gesprochen. Selten über Kaffee. Eine aktuelle Studie aus Peking legt nahe, dass genau das ein Fehler sein könnte.

Was die Studie gemessen hat

Forscher haben in einer bevölkerungsbasierten Querschnittsstudie 1.247 Frauen im reproduktiven Alter in Peking befragt. Ziel war es, den Zusammenhang zwischen Getränkegewohnheiten und primärer Dysmenorrhoe zu untersuchen. Primäre Dysmenorrhoe bedeutet Regelschmerzen ohne organische Ursache wie Endometriose. Sie ist häufig, sie ist messbar, und sie ist beeinflussbar.

Das Ergebnis ist klar: Frauen mit moderatem bis hohem Kaffeekonsum hatten eine signifikant höhere Wahrscheinlichkeit für stärkere Dysmenorrhoe. Die Odds Ratio lag bei bis zu 3,1. Das bedeutet: Diese Frauen hatten ein dreifach erhöhtes Risiko für schwere Regelschmerzen im Vergleich zu Frauen ohne Kaffeekonsum. Auch hoher Milchteekonsum war mit stärkeren Schmerzen assoziiert, mit einer Odds Ratio von 3,05.

Blumentee zeigte keinen statistisch signifikanten Zusammenhang. Das ist ein relevanter Unterschied. Nicht alle Getränke wirken gleich. Die Quelle der Wirkstoffe, vor allem Koffein und bestimmte Verbindungen in Milchtee, scheint eine Rolle zu spielen.

Koffein und Prostaglandine: der biologische Hintergrund

Warum sollte Kaffee Regelschmerzen verschlimmern? Die wahrscheinlichste Erklärung liegt in der Wirkung von Koffein auf die glatte Muskulatur. Koffein kann die Vasokonstriktion fördern und die Uterusdurchblutung reduzieren. Gleichzeitig kann es den Prostaglandinspiegel beeinflussen. Prostaglandine sind Botenstoffe, die Uteruskontraktionen auslösen. Zu viele davon bedeuten stärkere Krämpfe.

Milchtee enthält ebenfalls Koffein, aber auch andere Verbindungen. In China ist Milchtee ein hochverarbeitetes Getränk mit hohem Zuckergehalt. Zucker fördert proinflammatorische Prozesse. Eine höhere systemische Entzündungsbelastung kann Regelschmerzen verstärken. Das macht Milchtee zu einem doppelten Problem: Koffein plus Zucker plus mögliche Süßstoffe.

Die Studie zeigt zudem ein Muster, das auf Reverse Causation hindeutet. Frauen, die ihren Kaffee- oder Teekonsum während der Menstruation reduzierten, hatten stärkere Schmerzen. Das klingt widersprüchlich, erklärt sich aber so: Diese Frauen haben bereits Schmerzen, reagieren darauf mit Verzicht, aber das Muster ist trotzdem mit schlechterer Symptomatik assoziiert. Die Schmerzen kommen nicht wegen des Verzichts. Der Verzicht kommt wegen der Schmerzen. Ein klassisches methodisches Dilemma in Querschnittsstudien.

Einordnung der Studie: Was sie kann und was nicht

Die Stichprobe von 1.247 Frauen ist solide für eine bevölkerungsbasierte Querschnittsstudie. Die Rekrutierung erfolgte in Peking, was geografisch und kulturell eine spezifische Population darstellt. Ernährungsgewohnheiten in China unterscheiden sich von denen in Europa oder Nordamerika. Der hohe Milchteekonsum in der Stichprobe ist ein chinesisches Phänomen. Die direkte Übertragbarkeit auf westliche Populationen ist begrenzt.

Das Studiendesign ist eine Querschnittsstudie. Das bedeutet: Es gibt keinen Nachweis von Kausalität. Wir sehen Assoziationen, keine Ursache-Wirkungs-Ketten. Die Daten wurden zu einem Zeitpunkt erhoben. Langzeitverläufe, individuelle Hormonspiegel, Stressfaktoren und andere Ernährungsgewohnheiten wurden nicht vollständig kontrolliert. Das schränkt die Aussagekraft ein.

Zusätzlich basiert die Studie auf Selbstberichten. Frauen haben ihren eigenen Getränkekonsum und ihre Schmerzintensität angegeben. Selbstberichte sind anfällig für Erinnerungsverzerrung und soziale Erwünschtheit. Trotzdem: Die Studie ist methodisch transparent, die Effektgrößen sind substanziell, und die Ergebnisse passen zu bestehenden biologischen Mechanismen. Das macht sie relevant, auch wenn sie keine abschließenden Antworten liefert.

Was du jetzt konkret tun kannst

Wenn du regelmäßig unter Regelschmerzen leidest, lohnt sich ein Selbstexperiment über mindestens zwei Zyklen. Reduziere deinen Koffeinkonsum schrittweise, nicht abrupt. Abrupter Entzug verursacht Kopfschmerzen und schlechte Laune. Das hilft niemandem. Beginne zwei Wochen vor der erwarteten Menstruation mit der Reduktion und beobachte, ob sich die Schmerzintensität verändert.

Ersetze Kaffee und Milchtee durch Alternativen ohne Koffein und ohne hohen Zuckergehalt. Ingwertee ist eine evidenzbasierte Option. Mehrere Studien zeigen, dass Ingwer entzündungshemmende Eigenschaften hat und Prostaglandine hemmen kann. Pfefferminztee kann Muskelkrämpfe mildern. Blumentee, wie die Studie zeigt, hat keinen negativen Effekt und kann bedenkenlos konsumiert werden.

Darüber hinaus solltest du deine Gesamtentzündungslast im Blick behalten. Das bedeutet: weniger verarbeiteter Zucker, mehr Omega-3-Fettsäuren, ausreichend Magnesium. Magnesium entspannt die glatte Muskulatur und ist bei Dysmenorrhoe gut untersucht. Diese Maßnahmen sind kein Ersatz für medizinische Abklärung. Wer starke Regelschmerzen hat, sollte organische Ursachen ausschließen lassen. Aber im Rahmen einer optimierten Ernährung und eines gezielten Biohacking-Ansatzes ist Getränkemanagement ein einfacher, niedrigschwelliger Hebel.

Fazit

Kaffee und Milchtee sind keine harmlosen Variablen, wenn es um Regelschmerzen geht. Die Evidenz ist nicht perfekt, aber sie ist konsistent genug, um als Handlungsgrundlage zu dienen.

Wissenschaftliche Quelle

Studiendatum: 18.5.2026

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